Die Matrix
In meinem Leben ist
alles ist aus den Fugen geraten
nichts hat Bestand
alles,
was ich weiß –
alles,
was ich glaubte zu wissen,
wurde erschüttert.
Ein Beben,
im völlig haltlosen Raum.
Wo soll ich denn jetzt wieder
anfangen?
Was ist das denn überhaupt,
Anfang?
Wenn es einen Anfang geben soll,
dann muss es eine Wahrheit geben.
Jeder Wahrheit ist ein Anfang.
Aber was ist das,
Wahrheit?
Und woher soll ich wissen,
was wahr ist und
was nicht.
Das ist doch alles nur
Aussage
gegen Aussage.
Die Medien sagen
dies,
anonyme Menschen im Internet sagen
das.
A sagt
dies
B sagt
das.
Aber ganz klar
ist das nicht
wem man glauben soll
und wieso.
überhaupt:
Wer
wird denn
wodurch
überhaupt befähigt
die Wahrheit für sich zu beanspruchen?
Vielleicht ist es wirklich wie in der Matrix.
Zwei Pillen
eine rot
und eine blau
und du musst dich entscheiden.
Entscheiden, welche du schluckst.
Welche Wahrheit du künftig schluckst.
So oder
so?
Weder noch, sagst Du
Du bist vorn.
Nein,
Du kannst nicht hinter die Kulissen sehen,
Du siehst nur, was du sehen möchtest.
Es muss doch nicht
immer nur die
rote Pille
sein
Ich erinnere mich an eine Zeit
da hast du es
grundsätzlich abgelehnt
Pillen zu schlucken
Ich glaube
das war genau die Zeit,
in der das hier angefangen hat
Vor meinen Augen
also fast
ich war drüben,
in meinem Zimmer,
und du warst wach,
bist in der Matrix versunken
tiefer
und immer tiefer
und ich habe geschlafen
tiefer
und immer tiefer
Du hast dich in Suchergebnissen vergraben
in Interessen
,
die so absurd sind
,
dass es auf sie keine Widerworte gibt
Selbst Morpheus hat davor gewarnt,
dass dich die rote Pille
immer tiefer in den
Kaninchenbau
führt.
Zwischen Sonnenuntergang
und Sonnenaufgang
wenn alles ruht
und nur deine
Schmerzen dich wachhalten
da kriecht das Unsagbare aus seinem Versteck
Die Nachrichten, die tagsüber nirgendwo zu lesen sind
die Menschen, denen sonst keiner zuhört
die Fakten, die im Verborgenen bleiben müssen
und das Ungeheuerliche,
sie schicken dich
auf falscher Fährte
in die Untiefen
der Unvollständigkeit.
20 Jahre später
Wenn mir zum Beispiel vor 20 Jahren einer gesagt hätte: “[D]ie Erde ist rund…äh…flach” oder "[D]a mit dem Adolf, da stimmt was nicht.” Oder “Mit dem da, was da in den … in den Lagern abging, da stimmt was nicht.”… Ich hätte in heftigster Form mit dem diskutiert. Und ich hätte Meinungen vertreten, die ich nicht selbst geprüft habe. Das wurde mir bewusst und das war für mich auch der härteste Weg – von 2001, aber richtig extrem wurde es erst 2004 … mit Erkennen der BRD. Wie weit ich mir Meinungen einfach bilde, ohne wirklich Ahnung zu haben. Ohne Dinge selbst geprüft zu haben. — O-Ton, Archivmaterial
Und wenn mir vor 10 Jahren einer gesagt hätte,
dass mein Vater glaubt, die Erde ist flach.
Und Hitler missverstanden.
Und der Holocaust, der ist nicht passiert.
Wenn mir das vor 10 Jahren einer gesagt hätte,
ich hätte aufs Heftigste mit dem diskutiert.
Und ich hätte meinen Vater in Schutz genommen,
ohne zu wissen,
was ihn schon längst beschäftigt.
Ohne zu wissen,
was er wirklich denkt.
Ohne zu wissen,
dass er so fest davon überzeugt ist,
dass alles aufgibt,
was ihm einmal wichtig war.
Und ohne zu wissen,
dass er nur deshalb nichts sagt,
weil meine Mutter und weil ich
seine Mauern des Sagbaren sind.
Diese Mauern sind eingerissen.
Das wurde mir bewusst.
Und das war für mich auch der härteste Weg.
Erkennen, wer er ist:
Der härteste Mann Deutschlands.
Ein Nazi.
Und mein Vater.